13.01.2016 Nachfahrensuche zu E. Angel

Im Zuge der Recherche zu Provenienzen mit NS-Raubgut-Verdacht in den Zugängen nach 1945 konnte das Autogramm „E. Angel. Dresden A1. Mathildenstraße 15 I.“ mit Hilfe des Buches der Erinnerung der Familie Angel in Dresden zugeordnet werden. Da nach der Scheidung von Erich und Elsa Angel nur Elsa und die Tochter Eva in der Mathildenstraße wohnten, stammt der Besitzeintrag von einer der beiden Frauen.

Elsa/Else Angel (*31.12.1895, Glauchau) lebte nach der Scheidung im Haushalt der Mutter und war als Krankenpflegerin tätig. Sie musste in das „Judenhaus“ Maxstraße 1 und danach in das „Judenhaus“ Altenzeller Straße 41 ziehen. Eva Elisa Angel, die Tochter von Elsa und Erich Angel, wurde am 05.06.1924 in Dresden geboren. Sowohl Elsa und Eva als auch Erich wurden am 23./24.11.1942 in das „Judenlager Hellerberg“ in Dresden und von dort am 02./03.03.1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie wahrscheinlich sofort ermordet wurden.

Dank der Hilfe des Stolpersteine e.V. in Dresden, der den Kontakt zu ihr herstellte, ist ein Nachfahre der Familie bekannt. Die Recherchen werden fortgesetzt.

Siehe auch: Buch der Erinnerung. Juden in Dresden - deportiert, ermordet, verschollen - 1933–1945. Hg. vom Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. Dresden 2006.

17.09.2015 Bücher der Familie Berta und William Ernst Kaps aus Dresden

William (Willi) Ernst Kaps (1872–1943) war der Sohn des Dresdner Klavier- und Flügelfabrikanten Ernst Kaps. Seine Frau Berta entstammte der seit 1884/1885 in Dresden ansässigen jüdischen Familie Beck. Bertas Mutter Aurelie Beck, geb. Simon (*1856), kam am 8. September 1942 in Theresienstadt ums Leben, wie auch Bertas Bruder, der Arzt Guido Beck (*1879). Berta und William Ernst Kaps lebten in Dresden auf der Kaitzer Straße 9. William Ernst Kaps besaß eine herausragende Büchersammlung, wovon die beiden Exlibris der Dresdner Künstler Fritz Kleinhempel und Georg Erler zeugen. Selbst kinderlos, hatte sich das Paar der Förderung junger Künstler verschrieben. Nach dem Tod ihres nichtjüdischen Ehemanns William Ernst im August 1943 hatte seine jüdische Witwe Berta keinen beschränkten Schutz mehr und wurde am 19. Oktober 1943 nach Auschwitz deportiert. Unter der Nummer 32456/1943 ist ihr Tod am 1. November 1943 im Sterbebuch Auschwitz dokumentiert. Die Bibliothek des Ehepaars wurde von der Gestapo beschlagnahmt. In der SLUB sind im Rahmen systematischer Provenienzrecherchen fünf Bücher aus der Sammlung ermittelt worden.Vielen Dank an den Stolpersteine Dresden e.V. für den Hinweis.

Siehe auch: Buch der Erinnerung. Juden in Dresden - deportiert, ermordet, verschollen - 1933–1945. Hg. vom Arbeitskreis Gedenkbuch der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e.V. Dresden 2006.

27./28. April 2015: 3. Treffen des Arbeitskreises "Provenienzforschung und Restitution - Bibliotheken" in der SLUB

Am 27. und 28. April 2015 wird das 3. Treffen des Arbeitskreises  "Provenienzforschung und Restitution – Bibliotheken" in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden stattfinden.

Der Arbeitskreis hat sich gebildet, um den fachlichen Austausch zum Arbeitsgebiet "Identifizierung von NS-Raubgut in öffentlichen Bibliotheken" bzw. "Provenienzforschung zu Büchern und Sammlungen von gedrucktem und ungedrucktem Schriftgut" in einem kleinem Rahmen und konzentriertert auf praktische Fragen durchzuführen. Herzlich möchten wir Interessierte aus Bibliotheken, Archiven und Museen einladen, mit uns in den fachlichen Austausch zu treten. Das Programm wird rechtzeitig an dieser Stelle bekanntgegeben.

Für Fragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung, nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf.

 

November 2014: Provenienzmerkmale der SLUB online

Seit November 2014 sind 3.853 Bilder von Provenienzmerkmalen in der Deutschen Fotothek veröffentlicht. In den beiden Provenienzprojekten der SLUB (2009–2013) waren über 15.000 Bilder von Stempeln, Exlibris, Autogrammen entstanden. Seitens der Provenienzforschung wird immer wieder beklagt, dass die vielfach in Projekten gewonnenen Daten nicht der Allgemeinheit zur Verfügung stehen bzw. schlimmstenfalls ganz verschwinden. In einem ersten Schritt sind jene Besitzmerkmale bereitgestellt worden, die mit einem GND-Satz verknüpft sind. Es ist geplant, im Sinne eines freien Zugangs zu Forschungsdaten sukzessive alle Provenienzdaten zu veröffentlichen, um diese nachnutzbar zu halten. Zudem ist vorgesehen, die Merkmale mit dem zugehörigen Buchbestand im SLUB-Katalog zu verlinken.

September 2013: SLUB übergibt LostArt 751 Fundmeldungen von NS-Raubgut

Im Ergebnis des 2011 bis 2013 von der AfP in Berlin geförderten Projektes zur Suche nach NS-Raubgut in den Beständen der ehemaligen Sächsischen Landesbibliothek - heute SLUB - wurden LostArt 751 Fundmeldungen übermittelt, die nun in der zentralen Datenbank für NS-Raubgut zu recherchieren sind. Weitere 165 Fundmeldungen folgen in Kürze.

07.03.2013: SLUB übergibt NS-Raubgut an Nachkommen von Sigmund Waldes

Mehr als 70 Jahre nach der Beschlagnahmung durch die Nationalsozialisten haben in der vergangenen Woche 159 Bücher mit ihrer Rückgabe an die Erben von Sigmund Waldes (geb. 1877 in Prag, gest. 1961 in Maspeth/Long Island - USA) ihren Weg zu den rechtmäßigen Eigentümern gefunden.

Die Brüder Sigmund und Heinrich Waldes waren als Fabrikanten von Knöpfen mit Werkstätten in Prag, Dresden, Long Island und der Schweiz über Deutschland hinaus tätig und angesehen. Sigmund Waldes war seit 1908 einer der Gesellschafter des Werkes in Dresden, in der Kleinen Plauenschen Gasse Nr. 37/43. Unmittelbar nach der Machtübernahme durch die nationalsozialistische Regierung in Deutschland war er nach Paris gegangen und später über Barcelona nach New York ausgewandert, wo er die dortige Filiale übernahm und zum Hauptsitz ausbaute. Sigmund Waldes starb 1961.

Begonnen hat der lange Weg der Bücher im Jahr 1938, als die Sammlung bibliophiler Drucke des 19. und 20. Jahrhunderts in Dresden beschlagnahmt und über einen Zwischenhändler im Jahr 1941 an die Sächsische Landesbibliothek verkauft wurde. Mehr als sechs Jahrzehnte später, im Jahr 2001, nutzte die SLUB das Portal http://www.lostart.de/, um die Existenz der Sammlung in der Rubrik Fundmeldungen anzuzeigen, und berichtete in der Fachpresse über die Sammlung im Kontext schon erfolgter Rückgaben jüdischen Eigentums. (http://slubdd.de/katalog?TN_Saebi-Test25241604X)

Ein Kontakt zu den Erben kam erst Jahre später durch einen in Berlin lebenden amerikanischen Bürger zustande, der über diesen Aufsatz und den Eintrag in Lostart.de aufmerksam wurde. Durch diesen Kontakt ist es der SLUB nunmehr möglich, in Entsprechung der Grundsätze der Washingtoner Konferenz aus dem Jahr 1998 in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden ("Washington Principles") diese Bücher aus dem jüdischen Eigentum von Sigmund Waldes zu restituieren. Die Übergabe fand in der vergangenen Woche an die Vertreter der Erben in den Räumen der SLUB statt.

08.05.2012: NS-Raubgut aus Österreich

In den Beständen der SLUB konnten zwei neue Fälle von NS-Raubgut nachgewiesen werden.

Es handelt sich in einem Fall um Exemplare aus den Privatbibliotheken von Victor Adler und Engelbert Pernerstorfer, die in den 1920er Jahren von der Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien (heute Arbeiterkammer Bibliothek Wien für Sozialwissenschaften) erworben wurden. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurde die Arbeiterkammer und deren Bibliothek aufgelöst, die Bücher bis auf wenige Reste verstreut.

Der andere Fall gehört in den Bereich des Entzugs von Privatvermögen. Fernand Raoul Jellinek-Mercedes geriet im Jahr 1938 in das Visier der Nationalsozialisten. Die neuen Machthaber erhöhten immer weiter den Druck auf den "Juden" Jellinek-Mercedes, der vergeblich versuchte sein Vermögen zu erhalten. Er war schließlich gezwungen, Kunst und Bibliotheksbestände aus seinem Privatbesitz zu verkaufen.  Im Februar 1939 hielt Jellinek-Mercedes dem unmenschlichen Druck nicht mehr stand und ging in den Freitod.

Pressemitteilungen

12.12.2011: SLUB übergibt NS-Raubgut an Nachkommen der Familie Steinthal

Die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) hat mit der Rückgabe von Büchern an die Erben der Bankiersfamilie Steinthal einen weiteren Bestand von NS-Raubgut an die rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Unter dem nationalsozialistischen Regime wurden die jüdischen Familien systematisch entrechtet und deren beschlagnahmter Besitz entweder verkauft oder an öffentliche Einrichtungen übergeben.

Dies ist die dritte umfangreichere Rückgabe der SLUB Dresden nach der Rückgabe der Sammlung des jüdischen Bankiers Victor von Klemperer von Klemenau und der Autographensammlung des jüdischen Musikverlegers Henri Hinrichsen. 

Seit Oktober 2011 werden die vor einigen Jahren begonnenen systematischen und aufwändigen Herkunftsermittlungen (Provenienzforschungen) durch den Bundesbeauftragten für Medien und Kultur im Bundeskanzleramt gefördert, damit diese notwendige Aufarbeitung in den nächsten zwei Jahren abgeschlossen werden kann.

Den Erben der Familie Max (1850-1940) und Fanny Steinthal (1866-1941) wurden 115 unrechtmäßig erworbene Bücher am 9. November 2011 übergeben. Max Steinthal war zunächst als Direktor und bis zu seinem vom NS-Regime erzwungenen Ausscheiden 1935 im Aufsichtsrat der Deutschen Bank tätig. Die Eheleute hatten eine bedeutende Kunstsammlung aufgebaut. Sie starben innerhalb eines Jahres in einem Berliner Hotel, in dem sie auf ihre Ausreisemöglichkeit warteten. Fanny Steinthal bestimmte in ihrem Testament den noch in Deutschland lebenden Sohn Erich Steinthal, die nach Peru ausgewanderte Tochter Eva Vollmann sowie deren damaligen nichtjüdischen Ehemann Richard Vollmann als Erben.

Vollmann, der wohl auch nach der Scheidung von seiner Frau den Steinthals freundschaftlich verbunden blieb, lagerte später wegen der beginnenden Bombardements auf Berlin die  Steinthal’sche Kunst- und Büchersammlung in seine Villa nach Dresden aus. Zu Beginn der 1950er Jahre floh Vollmann dann in die Bundesrepublik und der Besitz des „Republikflüchtigen“ wurde eingezogen. Auf diesem Weg gelangten die Bücher über den Rat der Stadt Dresden an die damalige Sächsische Landesbibliothek.

Mit den Büchern werden den Familienerben wichtige Erinnerungsstücke zurückgegeben; zugleich wird an das doppelte Unrecht der Enteignung und Beschlagnahmung erinnert.

Nachrichten zum Thema NS-Raubgut

2. Dezember 2011: Pressemitteilung der Bundesregierung

Kulturstaatsminister Bernd Neumann: Mittel für die Provenienzrecherche werden verdoppelt

27. November 2011: NS-Raubgut in der Universitätsbibliothek Leipzig

Am 27. November 2011 eröffnete in der Bibliotheca Albertina eine Ausstellung, die die Ergebnisse des seit zwei Jahren laufenden Projektes zur Suche nach NS-Raubgut in den Beständen der Universitätsbibliothek dokumentiert.