Was ist NS-Raubgut?

Für den juristischen Begriff der „NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgüter“ haben sich in der Forschung die Begriffe „(NS-)Raubkunst“, im Bibliotheksbereich insbesondere der des „(NS-)Raubguts“ etabliert. Die Fokussierung der Medien auf Kunstwerke insbesondere jüdischen Besitzes lässt die weiteren Facetten des Kulturgutraubs oft in den Hintergrund treten, doch umfasst der Begriff des NS-Raubguts weit mehr: Aus rassischen, weltanschaulichen oder religiösen sowie politischen Gründen waren der Verfolgung nicht nur Privatpersonen, sondern auch zahlreiche Vereinigungen ausgesetzt. Sie verloren ihren Besitz durch Beschlagnahmungen, Zwangsverkäufe und auf anderen Wegen. Betroffen waren neben Kunstsammlungen auch Bücher, deren Raub von Beginn an auf erschreckende Weise perfekt organisiert war, wie die jüngere Forschung zeigt. Die Suche nach Büchern gestaltet sich schwierig, einzelne Sammlungen wurden oft auseinandergerissen und auf verschiedene Bibliotheken verteilt, dort ohne Hinweise auf die Herkunft in die Bestände eingearbeitet. Die Spuren in den Büchern selbst – Exlibris, Autogramme, Stempel, Widmungen – sind heute oft die einzigen Indizien, die Hinweise auf ihre Vorbesitzer geben können.