AG Provenienzforschung in Sachsen

Seit Januar 2018 besteht die „Arbeitsgemeinschaft Provenienzforschung in Sachsen“. Die beteiligten WissenschaftlerInnen und BibliothekarInnen möchten den fachlichen Austausch untereinander intensiver gestalten, da die Herausforderungen der Provenienzforschung nicht nur wissenschaftlich-historischer, sondern auch lokaler Art sind. Zudem soll die Provenienz- und NS-Raubgutforschung in Sachsen gestärkt werden. Vergangene Projekte zur Provenienzforschung haben gezeigt, dass sich in staatlichen wie kommunalen Bibliotheken und Museen in großem Maße Objekte finden, bei denen es sich um NS-Raubgut handelt. Diese Bestände gelangten sowohl im Zuge nationalsozialistischer Enteignung bis 1945 sowie die sogenannte Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone und in Folge von DDR-Unrecht (Enteignungen bei sogenannter Republikflucht etc.) ab 1945 in die Einrichtungen. Ein Austausch der hier beschäftigten, interessierten MitarbeiterInnen wie auch der schon seit vielen Jahren in diesem Bereich tätigen, freiberuflichen und engagierten WissenschaftlerInnnen ist eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit.

Zu den kurz- und mittelfristigen Zielen der AG gehört daher die Etablierung einer Forschungsinfrastruktur, die Ergebnisse transparent machen kann. Dazu zählt die Gemeinsame Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek als nachnutzbares Instrument der Katalogisierung und Dokumentation. Auch die Bilddatenbank der Deutschen Fotothek steht interessierten Einrichtungen für den Nachweis von Provenienzmerkmalen offen.

Langfristig möchte die AG als beratender Partner für Fragen der Provenienz- und NS-Raubgut-Forschung zur Verfügung stehen. Die wissenschaftlichen Förderstrukturen in Deutschland wie auch die finanziellen Situationen von Wissenschafts- und Kultureinrichtungen bedingen, dass WissenschaftlerInnen und BibliothekarInnen meist nur für einen befristeten Zeitraum im Bereich der Provenienzforschung tätig werden können. Das in solchen Projekten erworbene historische, institutionsgeschichtliche und kontextualisierende Wissen und die Erfahrungen gehen mit dem Ende von Beschäftigungsverhältnissen verloren. Beides zu sichern und zur Verfügung zu stellen, gehört zu den wichtigsten Herausforderungen, denen sich die Provenienzforschung im Moment gegenübersieht. Diesem Verlust möchte die AG entgegenwirken, indem sie einen Rahmen und eine Plattform für Austausch, Kontakt und gemeinsame Arbeit bietet.

Mitglieder der AG (Stand Juli 2018)

Dr. Robert Langer (freier Wissenschaftler)

Werner Schroeder (freier Wissenschaftler)

Deutsche Nationalbibliothek: Cornelia Ranft

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden

Leibniz-Institut für Länderkunde Leipzig – Geographische Zentralbibliothek und Archiv

Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden: Elisabeth Geldmacher, Jana Kocourek, Nadine Kulbe, Robin Reschke

Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Kunstbibliothek

Universitätsbibliothek Leipzig