NS-Raubgut in den Erwerbungen nach 1945

Laufzeit: 2017–2020
Förderer: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges erlitten die deutschen Bibliotheken große Bestandsverluste; allein an der Sächsischen Landesbibliothek (SLB), der Vorgängerin der SLUB, beliefen sich die Kriegsverluste auf über 200.000 Bände. Wie andere Bibliotheken war auch sie bestrebt, ihre Bestandslücken zu ergänzen: durch als „herrenlos“ geltende Bücher und Altbestände, welche sich aufgrund von Maßnahmen der NS-Politik und der Kriegsgeschehnisse in Sammelstellen oder Bibliotheken befanden und nach Kriegsende durch verschiedene Einrichtungen der SBZ/DDR gesichert und weiterverteilt wurden.

Die umfangreichen Bestandsüberprüfungen des Schlossbergungsprojekts haben zu der Erkenntnis geführt, dass sich auch in diesen ab 1945 akzessionierten Beständen in größerem Maße Fälle von NS-Raubgut finden lassen. Man spricht dabei von sekundärem Raubgut, weil es nicht direkt von NS-Stellen oder enteigneten Personenkreisen bis 1945 an Kultureinrichtungen gelangte, sondern von zunächst unverdächtigen Quellen wie Antiquariaten oder anderen Einrichtungen bezogen wurde. Dies lässt sich beispielhaft an den Provenienzverläufen von Büchern der Familien Kaps und Angel darlegen.

Ziel des Projekts ist die Untersuchung von etwa 600 Verdachtsfällen sekundären NS-Raubguts in den Zugängen nach 1945. Recherche, Identifizierung und Dokumentation zielen auf die Ermittlung von Erben oder Rechtsnachfolgern und die anschließende Restitution. Rechercheergebnisse werden in den Katalogen der SLUB und der Kollektion "Provenienzforschung" in der Deutschen Fotothek dokumentiert, Funde an die Lost Art-Datenbank gemeldet.